Kämpfer mit Schauspieltalent

30.11.17 – Einmal in der Woche, immer donnerstags ab 20 Uhr, sind es nicht die alltäglichen, mit Sport in Verbindung gebrachten Geräusche, die aus der „Halle 76“ am Senior-Ubbelohde-Weg im Stader Stadtteil Ottenbeck dringen. Unter dem gewohnten Klangteppich, den abrupten Richtungswechseln unterzogene Turnschuhe auf dem Hallenboden hervorrufen, mischt sich dann das Rasseln von Schwertern, wenn deren stählerne Klingen aufeinandertreffen.


Ein Teil der VfL-Schwertschaukampf-Gruppe. Extra fürs Foto erklang martialisches Kampfgebrüll, das hier zwar nicht zu hören, beim Anblick des Bildes aber irgendwie doch deutlich zu spüren ist.

Das ist wirklich kein Hallentennis, das ist schön anzusehender Schwertschaukampf, den die Stader Gruppe der deutschlandweit aktiven „Schule für mittelalterlichen Schwertschaukampf“.

„Wir sind alle mittelalteraffin, haben mehr als einen Robin-Hood-Film gesehen und sind auch leidenschaftliche Mittelaltermarkt-Gänger“, bringt Alexander von Appen, der die Gruppe trainiert, die gemeinsamen Interessen seiner Mitstreiterinnen und Mitstreiter auf den Punkt. Am heutigen Abend, für den sich die Presse angekündigt hat, sind die Schaukämpfer sogar in ihren Gewändern erschienen, die sie sonst nur bei größeren Veranstaltungen wie beispielsweise dem Blidenfest in Beckdorf tragen, wo sie in Heerlagern campieren, den Besuchern ihren kunstvollen Sport darbieten und sie darin sogar unterrichten.

Bei Alexander von Appen, dem IT-Spezialisten aus Elstorf, der die Gruppe quasi „geerbt“ hat und jetzt ihretwegen immer nach Stade fährt, ist das Feuer für den Schwertkampf vor gut sieben Jahren entfacht worden, als er einen Grundkurs in Buxtehude besuchte, der von der VHS angeboten wurde. „Das ist ein Wochenende, an dem man intensiv in die Schaukampf-Materie einsteigt“, erläutert von Appen.

Auch wenn es stumpf ist und daher zum Schneiden nicht geeignet, wiegt ein Schwert etwa zwei Kilogramm und kann bei unsachgemäßer Anwendung durchaus wehtun. Daher geht es bei einem Grundkurs auch zunächst mit einem mit Rohrisolierung ummantelten Besenstiel los, der durch die Bezeichnung „Pompfe“ (Polsterwaffe) ebenso harmlos klingt, wie er tatsächlich daherkommt.

Doch bereits am zweiten Tag und nach dem Einstudieren erster Bewegungsabläufe darf bereits Hand ans Metallschwert angelegt werden – und spätestens dann sei bei vielen der Wunsch geboren, hier nicht aufzuhören, sondern erst recht loszulegen. In diesem Moment kommen dann die regionalen Gruppen der Schule für mittelalterlichen Schwertkampf (SSK) ins Spiel, die sich der Perfektionierung gespielter Kampfszenen widmen, die martialisch anmuten, jedoch für die Akteure völlig harmlos sind.

Wir lernen eine Technik, die garantiert, dass wir uns nicht verletzen können, und liefern dann mit einem Partner einen sehenswerten Kampf fürs Publikum ab“, erläutert Alexander von Appen. Er vergleicht den Schwertschaukampf gerne mit dem Tanzsport, bei dem der eine führt – das wäre in Analogie dazu der Angreifer – und der andere folgt, was dann der gelungenen Parade entspricht.

Dennoch gebe es keine Choreografie, die genauestens einstudiert werde, sondern aus rund 200 verschiedenen Angriffs- und Abwehrtechniken entwickele sich ein variantenreiches Kampfgeschehen, das die Zuschauer in den Bann zieht.

Zumindest allen, die den Schaukampfregeln des „Dachverbands“ SSK folgen, sei es möglich, sofort einen spektakulären und völlig verletzungsfreien Schaukampf abzuliefern, ohne sich vorher jemals begegnet zu sein. Den Mittelalterfreunden geht es da so ähnlich wie Musikern, die sich zufällig irgendwo auf der Welt treffen und dann beschließen, gemeinsam einen Blues zu spielen. Das klappt auch auf Anhieb.


Die tapfere Lady im Kettenhemd (Catharina Grot) bietet dem behelmten Recken Thorsten Schönfeld Paroli. Beim Schwertschaukampf wird mit- statt gegeneinander gekämpft.

„In erster Linie geht es uns darum, Spaß zu haben – ohne Anspruch auf historische Korrektheit“, erläutert Alexander von Appen. Einem Ritter von damals hätten einige der beim Schaukampf angewendeten Bewegungen gar nichts gebracht, „weil es bei uns Entwaffnungstechniken gibt, die nicht funktionieren, wenn der Partner nicht mitspielt“, erklärt der Schwertschaukämpfer.

Seit April dieses Jahres trainiert die Stader Gruppe – auch ganz wörtlich gemeint – unter dem Dach des VfL Stade. „Wir sind jetzt alle Mitglied im Verein und dürfen daher die große Halle nutzen, was für uns ein enormer Gewinn ist“, so von Appen. Offen sind die Schwertschaukämpfer für weitere Interessenten, die Lust haben, der bunt gemischten Gruppe beizutreten.

Mitmachen kann jeder ab ca. 14 Jahren, der „über eine gewisse körperliche Fitness und geistige Reife verfügt“, beschreibt der Trainer. Die Freude am Schwertkampf, der mit viel Technik und wenig Kraft einhergeht, und an mittelalterlichen Events ist natürlich die zentrale Voraussetzung.

„Was wir nicht wollen, sind Waffenfreaks und Wettkämpfer“, lautet die klare Ansage. Denn schließlich funktioniere der Schwertschaukampf nur, wenn die Beteiligten miteinander und nicht gegeneinander arbeiten.

„Sobald ein Wettkampfgedanke dazukommt, kämpft man anders – nämlich für den eigenen Sieg und nicht mehr fürs Publikum. Das würde unserer Grundidee widersprechen.“

Quelle: Mittwochsjournal
Fotos: Volker Reimann

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