Baysalli und die Kunst des Dreipunktewurfs

20.10.26 – Der VfL Stade muss in dieser Saison um die Play-offs hart kämpfen. Der Dreipunkte-Spezialist ist dabei ein Eckpfeiler. Das macht es so schwer für den Kunstschützen.

16 Spiele sind absolviert, mindestens zwölf liegen noch vor ihnen. Die Play-offs sind das erklärte Ziel, auch wenn sie derzeit noch nicht in Reichweite sind. Zehn Siege, sechs Niederlagen, 20 Punkte: Der VfL Stade gehört damit zum Führungsquartett der Basketball-Regionalliga Nord.

1295 Punkte haben die Korbjäger bislang erzielt, im Schnitt 81 pro Partie. Jeder einzelne davon muss durch den Ring mit 45 Zentimetern Durchmesser, der in 3,05 Metern Höhe hängt und auf den ein im Durchmesser 24 Zentimeter großer Ball in Sekundenbruchteilen zufliegt.

Basketball ist eigentlich ein Sport für Riesen. Für Spieler jenseits der Zwei-Meter-Marke, wie VfL-Center Ryker Wuttke, der mit 213 Zentimetern Körpergröße dem Korb schon rein anatomisch mit ausgestreckten Armen sehr nahekommt.

Doch der Basketball hat sich verändert

Spätestens seit 1979, als die NBA - und fünf Jahre später auch der Weltverband FIBA - die Dreipunktelinie einführte. Würfe aus 6,25 Metern Entfernung (in der NBA sogar 7,24 Meter) wurden plötzlich extra belohnt.

Daraus entwickelten sich fortan ganz neue Techniken und Taktiken zum Einsatz dieser Würfe aus großer Distanz. Selbst Physiker und Mathematiker stellten Berechnungen an, wie eine optimale Flugkurve für den perfekten Wurf unter Einbeziehung des Luftwiderstandes und der Geschwindigkeit des Balles für den Dreipunkte-Erfolg aussehen müsste. Der Sport öffnete sich für neue Spielertypen und für Spezialisten.

Einer von ihnen spielt derzeit auch beim VfL Stade

Kerem Baysalli - Dreipunktewürfe sind sein Markenzeichen. Beim letzten Hinrundenspiel in Wolfenbüttel erzielten die Stader mehr als die Hälfte ihrer Treffer aus der Distanz. Baysalli ist dabei der absolute Spezialist.

54 erfolgreiche Dreier stehen für den 21-Jährigen bislang zu Buche. Das sind 162 seiner insgesamt 319 Punkte. Damit gehört der gebürtige Türke zu den besten Distanzschützen der Liga, aktuell Rang drei. Aus seinem Team folgen ihm Francesc Iturria (25 Dreier/Rang 24) und Nil Angelats (22/31).

„Als Kind war ich schon ein großer Fan von Stephen Curry, dem weltbesten Dreierschützen. Ich habe auf YouTube Videos und Analysen zu seiner Form geschaut“, verweist der Shooting Guard auf sein großes Vorbild. Curry stellte 2016 mit 402 erfolgreichen Dreiern in einer NBA-Saison einen Rekord auf. Und das aus noch größerer Distanz, als sie im Stader Sportcampus gilt.

Wie das Vorbild: Üben, üben, üben

Dort feilt der 1,92 Meter große Mann immer wieder an seinem Wurf. Sein Idol Curry verlässt die Halle angeblich erst, wenn er 3000 Treffer erzielt hat. Und was macht Baysalli? „Üben, üben, üben. Und wenn das Training vorbei ist, werfe ich jedes Mal mit Tobias Drochner noch weiter.“

Dafür sei Kraft aus den Beinen und dem Oberkörper notwendig, nicht nur aus den Armen. Der Armzug beschleunige den Ball und das abklappende Handgelenk gebe dem Ball noch eine Rotation zur Erhöhung der Zielgenauigkeit. Und das alles innerhalb von Sekundenbruchteilen nach der Ballannahme, der Überlegung, den Schuss zu nehmen oder weiterzupassen, den verteidigenden Gegner auf sich einstürmen zu sehen, die Distanz abzuchecken und den Mut aufzubringen, es nach Fehlwürfen immer wieder zu versuchen.

Im Basketball entscheiden schnelle wie richtige Entscheidungen

Aktuell arbeitet der angehende Ingenieur genau an diesen entscheidenden Details seiner Spielweise. „Oh, ich habe dreimal daneben geworfen. Ich stehe jetzt frei, kann ich den Wurf nehmen oder lieber nicht?“, erklärt Baysalli. „Wenn ich offen bin, nehme ich den Schuss.“ Er müsse aber auch erkennen, warum er dreimal daneben geworfen habe. War er besser verteidigt? War es der falsche Wurf? War dieser zu schwer? Hätte er passen sollen?

„Basketball ist eben auch Kopfsache“, sagt der Fan-Liebling und schiebt mit einem Lächeln hinterher: „Basketball ist der Sport des klugen Mannes.“

Dass Baysalli nicht zu den körperlich Größten zählt, sieht er pragmatisch. Wer kleiner sei, müsse eben besser werfen können. „Solange Kerem 40 Prozent trifft, darf er nicht nur elf Versuche aus der Distanz starten, wie zuletzt, sondern von mir aus auch einhundert“, erteilt sein Trainer Joan Rallo Fernàndez eine bedingte Freikarte.

Die Gegner wollen keine Kunststücke zulassen

Es werde aber zunehmend schwieriger, seine Spezialdisziplin zum Einsatz zu bringen. „Die Teams haben sich mittlerweile viel besser darauf eingestellt und ich habe nicht mehr so viel Platz wie zu Beginn der Saison. Ich kann natürlich auch nur glänzen, wenn mich der Point Guard frei sieht und dann auch anspielt“, erläutert Kerem Baysalli die notwendigen Voraussetzungen für seine Kunststücke, die regelmäßig seine Fans begeistern.

Wenn die Gegner auf den Mann aus Istanbul aufmerksam geworden sind, dann vielleicht auch die Scouts aus höheren Ligen? Baysalli reagierte ehrlich erstaunt auf diese Frage. Nein, bei ihm habe sich bisher niemand gemeldet. „Ich fokussiere mich lieber darauf, dass wir unsere Spur wiederfinden und unsere Spiele gewinnen. Nach den Verletzungen Ende 2025 läuft das jetzt besser. Wir haben uns wiedergefunden und Spaß am Spiel. Der Rest kommt später“, sagt der Student, der nun seit vier Jahren in Deutschland spielt.

Sein Vertrag läuft am Ende der Saison aus. Bis dahin bleibt noch viel Zeit – auch für weitere Dreier. Baysalli reiste über Weihnachten zur Familie in die Türkei, um mit freiem Kopf nun die Saisonziele mit dem Team anzugreifen. Der VfL Stade hofft, dass er weiterhin zielsicher trifft. Denn ohne diesen Ballkünstler wäre der Klub nicht nur um einen Publikumsliebling ärmer, sondern vor allem um einen seiner wichtigsten Punktelieferanten.

Quelle: Tageblatt
Foto: Dede

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